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Ich sitze mit Kind_von_Freund_und_Freundin am wöchentlichen Abendbrottisch (nein, keine Sorge, es bekommt nicht nur einmal die Woche Abendessen, aber nur einmal die Woche ausschließlich mit mir, weil dann die Eltern was ohne Kind unternehmen).

Kind ist klein (wirklich klein) und lernt in unfassbarer Geschwindigkeit sprechen. Wie sie es eben manchmal tun. Es liebt Wörter und Sprache und ich würde ja sagen, das hat es von mir, aber von mir, zumindest biologisch, kann es das nicht haben, andererseits – werwelche weiß schon, ob es nicht auch dafür semi-oder-ganz-permeable Membrane geben kann, ich meine in Zeiten von Nanopartikelchen und ihr wisst schon, diese ganzen Doppelhelixe und der Evolutionskram interessieren eh nicht die Bohne (oder doch, zumindest meinen Sojajoghurt esse ich am liebsten gen-unmanipuliert zum Frühstück) – aber darum geht es jetzt nicht. Mit Kind keine Ablenkungen, keine ausufernden Gedankenlinien, Knäuel überall, nein, mit Kind alles klar und fokussiert. Ganz im Hier, Jetzt, Sein. Nichtdenken. Stillwerden. Zuhören. Kleine Mahlzeiten dann und wann.

Essen mit Kind läuft zur Zeit so ab, dass Kind auf momentane Lieblingsdinge in der Küche zeigt: „Da! Ein Pferd!“ und alle dann der Reihe nach benennt. (Es fängt gerne mit Pferd an, wobei Pferd natürlich nicht in der Küche aka Stall steht, sondern ein Bildchen auf einem Wandkalender ist). Jedes zweite Mal fragt es dann mich: „Was das ist?“ und dann sage ich das Wort, manchmal noch ein, zwei weitere Sätze dazu, das Kind nickt zufrieden und beginnt von vorn: „Da, eine Hansibeere!“ (Es liebt Johannisbeeren, jedenfalls wenn die Liebe länger als eine Woche angehalten hat, es verschenkt seine Liebe für Dinge nämlich gerne und regelmäßig neu. Außerdem liebt es Frühstück zum Abendbrot, vor allem eben Beerenmüsli).

Als nächstes zeigt Kind auf die Blumenvase auf dem Tisch und sagt freudig, mit großer Selbstverständlichkeit: „Guck mal, Tulpen! Hat Mama gebastelt.“ Ich schlucke, vor Rührung, sage „Ja“, und bleibe mit dem Blick und den Gedanken an der dunkelroten, weit geöffneten Blüte hängen, aus deren Mitte der Stempel wie ein filigranes Miniaturkunstwerk herausragt. So viel schöne Gewissheit, was Mama/Papa alles kann und macht, Mama/Papa macht das Schöne, macht Welt. Das ist erschütternd. Welch Vertrauen und Verletzbarkeit. Welch Verantwortung.

Dann rülpst sie und strahlt und ich freue mich mit ihr und denke, das ist schon fast alles, was es braucht für diese Welt.

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