kreisgespräche

wir könnten opfer werden
oder waren es schon

wir sind lesbisch, jüdisch oder politisch
feministisch, frau oder enby
oder alles

oder täterin

sind wir täter_innen
oder aussen?

wir sind weiss, privilegiert, haben den passenden pass
und finden das normal, weil das die norm ist
oder nicht

wir tun oder tun nichts, dagegen oder dafür

und fragen uns endlich
reicht das und wenn ja wofür

Wound Management

Wound Healing
in which the wound is left open and closes
naturally
slowly
slowly
slowly
is typical for chronic wounds
does that make
sense to you

Wound Closure
techniques make whole
not a hole
but
but
but
gaining access to a wound
through self-contamination
causes

Wound Infection
and is recognized
by localised
pain
pain
pain
and
does that mean
anything to you

Wound Healing
can be affected by systemic illness and local factors you
were my local factor meeting with systemic trauma followed by
an open heart
an open heart
an open heart
does any of this
look familiar to you
my

Wounded Valentine

kaleidoscopic inmates in miscellaneous landscapes

manchmal glaube ich dich zu sehen    als silhouette    fern am horizont    wie du wanderst    wie der horizont kippt und du vor mir    wieder auftauchst    hallo  im nächsten jahrhundert    es wartet    um die ecke die rund vor mir    und dir in viele richtungen verläuft    sich verläuft  kleine wassertropfen    spiegeln rückblickend tausendfach eine iris    in der worte tunnel himmel streifen weite höhlen orange flirrend eis bunt sterne löcher sich hundertfach gebrochen    vervielfacht    in miniaturen und ozeanen widerspiegeln    wie es ist    wie es sein kann    wie es war dann glaube ich    dich zu sehen dann sah ich dich    vielleicht an den rändern    zwischen den welten in tausend    möglichen welten die sich    zuwinken

Nichtfragen (4)

Ich liege in mir in einer hinteren Ecke, am Boden, nicht draussen schwebend, das kann ich auch, aber nicht heute, ich bin am Boden mit einer Decke aus welligen Worten, die Akkorde über mir horchend auf Luft, die mich ausatmet in den Raum. Es liegt mir nicht, das kalte Draussen, es hat mich aufgezogen und entfernt, aber ich verlerne das langsam. Es war das Kätzchen, dessen Mutter vom Trecker überfahren wurde und das mit ihrem Geschwister jahrelang an Bordsteinen entlanglief, die es für Häuserwände hielt, hinter denen niemand wohnte; es gab ja keine erleuchteten Fenster. Aber das stimmt nicht, weder das mit den verlassenen Häusern noch das andere, die Mutter hatte den Trecker genommen und ihn den Kindern hinterhergehetzt, der Blick zurück hatte stets ihr von Scheinwerfern grell erleuchtetes Gesicht hinter dem Lenkrad gezeigt.

Ich war in mir um alle Ecken gerannt, sprang, keuchte, dem Tod von der Schippe (Trecker=Bagger, ich kenne mich nicht so aus mit Straßenbau), bis das Kind die Katzenmutter samt ihrem Mähdrescher packte und hinauswarf. Das Geschwister war schon lange fort, schon seit es schneller als sie laufen konnte, es hatte sich an ihrem Beckenrand abgestossen und war in der Dunkelheit verschwunden. Das Kätzchen schlief dann nicht mehr, da eins ja Wache halten musste, aber das war eine andere Geschichte.

Ich werde in mir um die Ecke gegangen sein, Leben sehen, das gewesen wäre, Menschen, Geschwister, Mütter oder Katzen. Kind. Und dann werde ich zurückgehen, zu dem, was ich bin, sein werde und war. Weil das immer noch besser ist, als alles, was nicht ist. Weil das wenigstens ich ist. Bis ich es werfe, in den Himmel, wo alle schon sind. I am a bird now.

Öffnen

  ich bin  nicht ich bin  ich habe  nicht ich habe  da ist  da ist nicht  da ist nicht
  da war  da war nicht  da war  da  da  ich  nicht

Ich verlasse Dich mit meinem Abschied in tausend Städte
und nehme den letzten den ersten der Sterne beim Wort
lasse mich los
fliege mit verliere mich
entinne dich begreife nicht

  ich bin  nicht ich bin  ich habe  nicht ich habe  da ist  da ist nicht  da ist nicht
  da war  da war nicht  da war  da  da  ich  nicht

mein Meer aufgewühlt und
fließend wie Wasser in Wasser
aber Wellen brechen
für mich
für die Welt
dass ich in der Welt sein kann
und bin
weil ich selbst Welt bin
wenn ich bin
weil ich sein kann

  ich bin  nicht ich bin  ich habe  nicht ich habe  da ist  da ist nicht  da ist nicht
  da war  da war nicht  da war  da  da  ich  nicht

Und ich verspreche mir, dass ich ein Mensch bin
und die Sterne.. und die Sterne

prozentrechnung

was würdest du tun wenn du
weißt du wie kostbar
du in wertvoll
was würdest du
was machst du
damit
dieses leben
wenn du aus der hölle befreit bist
warum auch nur einen tag
bist du doch oder
dich abwerten wie sie es taten meister
vergiss es arbeit anerkennung
warum auch nur einen tag
sich für das falsche anstrengen dich
leeres herzloses
warum auch nur ein leben
vergeuden

menschsein

Auf dem Weg

Fortlaufender Text. Für die fortlaufenden Notizen. Das könnte ein Problem werden. Achtung, von rechts kommt ein Auto.

Stadtplanung in Schland, herzlichen Glückwunsch – die Straße auf der ich komme, heißt Adolfstraße, die Straße, die rechts abgeht, heißt Dachenhausenstraße. Dachenhausen. Zwei exemplarische Orte, einer nördlich von Berlin, der andere nördlich von München, unter einem Namen zusammengefasst. Sachsenhausen und Dachau komprimiert in einem Wort, einer Straße. Die nie endet.

Die Straße, auf der ich kam, 2010, heißt immer noch Adolfstraße. Eine eingebaute Absage an Goldhagen (remember?), die Stadt leugnet in ihrer Planung, und damit ist sie immer noch auf der Höhe der Zeit, dass es Hitler nur geben konnte, weil er ein ganzes Volk williger Vollstrecker hatte. Deutsch. Warum sonst sollte die Hauptstraße Adolf heißen und die Nebenstraße, wir erinnern uns, rechts abgehend nach Dachau und Sachsenhausen?

Ich werde einen Umbenennungsantrag bei der Stadt stellen vielleicht biegen sie dann in tausend Jahren nicht mehr nach rechts ab in die Der-Tod-ist-ein-Meister-aus-Deutschland-Straße.