No summer’s tale

Tag 2 gab es nicht.

Tag 3 von x und von ich-war-woanders. Gespräche, pseudo. Niemand kennt mich und während ich mich tippe, schlägt mir die automatische Worterkennung mich-wie-Scheisse-behandeln vor und ich denke, so schnell lernt also mein Smartphone, es ist mir Lichtjahre voraus. Jemand fragt mich nach Zielen und Projekten und bestimmt ist er Manager. Ich erfinde eine Strategie, die ich ihm verkaufe, er merkt nichts und ich lache nicht. Ich packe Vergangenheit in kleine Kästchen, baue Türmchen, stelle mich drauf und habe Aussichten, warum sollte mich hindern oder schmerzen, was bereits Geschichte ist?

Tag 4. Keine Tage mehr. Sie zählen nicht mehr. Stimmte sowieso nicht. Nichts stimmt.

Aspiration von Fremdmaterial

Kennen Sie das, sie liegen nachts wach, sind durch ihr eigenes Rumgehuste überhaupt erst wach geworden, ein trockener Reiz, der hinten im Rachen lauert und immer wieder hervorkommt, sich äußert in lautem, schmerzenden Husten, den sie versuchen, zu unterdrücken und der sie nicht schlafen lässt.

Wenn sie nicht die nächsten Nächte sowieso wach liegen würden, weil mit dem Husten Angst und Panik kamen, sie wussten nicht mehr, wo sie sind, so dunkel hier, fühlen sich klein und wenn das nicht sofort aufhört mit diesem Husten, wirst Du an Haaren und Ohren aus dem Bett gezerrt, vielleicht bist Du dann endlich still, und in die Badewanne gestellt, nackt natürlich, bei offenem Fenster, die schwarzen Äste des Apfelbaums knarren im Wind, dann heißes Wasser, plötzlich, verbrennt die Kopfhaut, läuft übers Gesicht, brennt den Rücken hinunter, bis Du herausgehoben wirst, nun in den Keller, los Fräulein, und wehe ich höre auch nur das kleinste Geräusch, Du weißt ja, was dann kommt, der Vater steht schon oben und aber ach so, sie kennen das gar nicht? Oh, dann Tschuldigung.

Vor dem Fenster weht ein dünner Vorhang, der Mond scheint hindurch, lacht sie aus, ey, ist doch voll hell hier, geh mal chillen und trink ’nen Schluck Tee, das wird schon wieder. Und ich so: Alter verpiss Dich, kümmer Dich um Deinen eigenen Scheiss, ich komm schon klar. Ja ja. Gähn.

Dann doch, die Nacht beenden, Fencheltee, den Zugvögeln winken. Und kein Keller im Haus.

Auf dem Weg

Fortlaufender Text. Für die fortlaufenden Notizen. Das könnte ein Problem werden. Achtung, von rechts kommt ein Auto.

Stadtplanung in Schland, herzlichen Glückwunsch – die Straße auf der ich komme, heißt Adolfstraße, die Straße, die rechts abgeht, heißt Dachenhausenstraße. Dachenhausen. Zwei exemplarische Orte, einer nördlich von Berlin, der andere nördlich von München, unter einem Namen zusammengefasst. Sachsenhausen und Dachau komprimiert in einem Wort, einer Straße. Die nie endet.

Die Straße, auf der ich kam, 2010, heißt immer noch Adolfstraße. Eine eingebaute Absage an Goldhagen (remember?), die Stadt leugnet in ihrer Planung, und damit ist sie immer noch auf der Höhe der Zeit, dass es Hitler nur geben konnte, weil er ein ganzes Volk williger Vollstrecker hatte. Deutsch. Warum sonst sollte die Hauptstraße Adolf heißen und die Nebenstraße, wir erinnern uns, rechts abgehend nach Dachau und Sachsenhausen?

Ich werde einen Umbenennungsantrag bei der Stadt stellen vielleicht biegen sie dann in tausend Jahren nicht mehr nach rechts ab in die Der-Tod-ist-ein-Meister-aus-Deutschland-Straße.

Casimir-Kräfte

Es roch nach verletzten Marienkäfern und er ging schnell weiter. Sich nicht zu erinnern. Noch nicht einmal zu wissen, was er vor dem letzten Atemzug gedacht hatte. Nicht überlegen. Nicht denken. Denken fällt zurück und zusammen, verliert das Ich, entwirft es. Im Denken fällt alles auseinander. Ich Du Dort Hier, Myriaden von Welten getrennter Mikrowelten, undenkbar. Nein, nicht Mikrowellen, ich habe mich auch erst verlesen. Welten. Leidvoll. Nicht denken ist auch schon denken. Weitergehen, er ging weiter, die Zeit in die Gegenwart zwingen, dort vorne muss schon morgen sein, dort komme ich erst morgen an. Deshalb ist der Raum mein Freund, wenn die Zeit, vor allem die vergangene, mein Feind ist. Ich bin der Punk im Kontinuum, ich bin anti, ich glaube, nein ich postuliere, die invertierte Zeit ist möglich.

Wer ist das. Wer war das. Wenn Erinnern auch nur Denken ist, ist alles gut. Nur so. Ein Gedanke.

Später, auf dem Rückweg, waren die Marienkäfer gestorben, es roch aber nicht nach Tod. Sterben riecht anders, dachte er, anders als Leben, anders als Tod. Und auch das ist nur ein Gedanke, wenn auch ein gerochener.

Wir werden sprechen müssen darüber, sagtest Du, auch wenn das unmöglich ist.

Bis dahin aber knackten im Wald die Äste unter den Füßen, den schweren, hochschaftigen Stiefeln seiner Verfolger. Es wurde hell und wieder dunkel, hell und wieder dunkel, bis alles nur noch Dämmerung schien. Ich schlief nicht. Obwohl es dort sicher nicht unsicherer als zu Hause war. Aber Logik nimmt proportional mit dem Licht ab, und in Nadelwäldern sogar unverhältnismäßig schnell.

Und jetzt? Du hast doch gesagt, Denken ist auch nur Vergangenheit. Wenn es, alles, bloß Gedanken sind, bloß vergangen, ist es dann wahr? Wirklich? Oder wie verstehst Du die bedingte Existenz. Vielleicht gibt es den Butterfly effect doch. Aber denke ich mit Absicht – bewirke oder verhindere ich ihn dann? Vorhin, auf dem Hinweg, hörte es sich noch nach einem Plan an.